
Beitrag von Mario F. Broggi und Peter Schneiter in Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen Nr. 177 (2026) 4, S. 214–219
Wytweiden sind der Archetyp halb offener Landschaften der Jurahöhen, kommen aber auch in anderen Bergregionen
vor. Als Parklandschaft und attraktive Kulturlandschaft lassen die bestockten Weiden niemanden gleichgültig
– auch weil sie für die Bevölkerung in den nahegelegenen urbanen Gebieten als Erholungs- und Freizeitraum
dienen. Wytweiden sind vom Menschen geschaffene Flächen, auf denen sich bestockte und reine
Weideflächen abwechseln. Als Futtergrundlage für Kühe, Rinder, Pferde, Ziegen und Schafe eignen sie sich besonders
für die extensive Milch- und Fleischproduktion und werden auch zur Holzgewinnung genutzt. Die Graslandbestände,
Gebüsche, Bäume und Trockenmauern bilden einen Grenzlebensraum zwischen Wald und Weide.
So wurden über die Jahrhunderte im Zusammenspiel von Natur und Mensch kleinräumige Mosaikstrukturen geschaffen,
die zahlreichen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten. Die biologische Qualität einer Waldweide ist
– neben dem biologischen Potenzial des Standortes – abhängig von der Düngungsintensität, dem Bestockungsanteil,
dem Typ der Weidetiere und der Weidedauer. Ihre Entwicklung beruht auf einem dynamischen und verletzlichen
Gleichgewicht, das sich in einem steten Wandel befindet. Eine getrennte Betrachtung nach den traditionellen
Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz sowie Tourismus stösst an
Grenzen. Um das komplexe System Wytweide umfassend zu beurteilen, sind in einem integrierten Betriebsplan
verankerte Untersuchungs- und Bewirtschaftungsmethoden erforderlich. Solche Instrumente wurden inzwischen
entwickelt. Ein interdisziplinäres Vorgehen ermöglicht es, praktische Lösungen für die erwähnten drei
Hauptbereiche – Viehhaltung, Holznutzung, Biodiversität – zu berücksichtigen.