
20. Umweltpreis 2025 der Marktgemeinde Lustenau, Preisverleihung vom 8. Januar 2026 im Rathaussaal in Lustenau
Mein erster Dank geht an die Marktgemeinde Lustenau, dass sie überhaupt diesen Umweltpreis ausrichtet. Ich erachte dies nicht als selbstverständlich, weil Kultur, Soziales und Sportliches im öffentlichen Ansehen gesellschaftlich höher dotiert sind als der Einsatz für Natur und Landschaft. Darum ein Dankeschön hier an die Marktgemeinde Lustenau, die diesen Umweltschutz-Preis ermöglicht und mit dieser Ehrung das Anliegen unterstreicht.
Wir erleben einen Alltag, wo man den Eindruck bekommen kann, dass die Summe der Partikularinteressen das öffentliche Interesse abbilde, was natürlich nicht stimmt. Leute, die sich für die Mitwelt einsetzen, tun dies nicht im privaten Interesse und werden sich auch nicht bereichern, noch geht es um Macht. Zu solchen Leuten kommen wir nun.
Wir dürfen uns heute für drei Persönlichkeiten freuen, die Herausragendes für die Mitwelt leisten. Wir haben es heute mit drei Personen zu tun, die in biologisch-naturkundlichen Themen tätig sind.
Der erste Schwerpunkt gilt den Neophyten, einem nicht allgemein geläufigen Begriff. Die Neophyten-Diskussion ist schon ein paar Jahrzehnte alt. Ich entsinne mich, dass ich bereits in den 1970er Jahren nach einem Riedgang schmerzhafte verbrennungsartige Symptome an meinen Armen hatte. Es war ein Ungetüm an Gewächs, mit grossen Blättern und einer mächtigen Dolde. Es enthält eine lichtempfindliche Substanz Furokumarin. Der Riesen-Bärenklau stammt aus dem Kaukasus.
Neophyten sind Pflanzen, die seit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, also 1492, zu uns eingeführt oder sonst in der Natur etabliert haben. Viele von ihnen sind harmlos, ja bereichernd, denken wir an die Kartoffel, die Tomate oder den Mais. Wenige – rund 10% – sind invasiv und können die einheimische Pflanzenwelt und damit Ökosysteme bedrängen. Es sei etwa an die Goldruten im Ried erinnert, womit wir bei zwei heutigen Preisträgern angelangt sind.
Lustenau steht puncto Neophytenbekämpfung besser da als mach andere Gemeinde im Land. Das hat sie Gerhard Vinatzer zu verdanken, der sich seit 15 Jahren mit Akribie mit ihnen beschäftigt und damit ein Vorkämpfer ist. Der Umgang mit Neophyten ist ein komplexer, um erfolgreich zu sein. Ob der erwähnte Riesen-Bärenklau, die Goldrute, der Japan-Knöterich, die Beifuss-Ambrosie oder das Drüsige Springkraut, sie alle verlangen Kennnisse ihrer Ökologie, um sie erfolgreich zurückzuhalten. Gerhard Vinatzer hat es sich zum Ziel gemacht, den invasiven Neophyten Paroli zu bieten. Ich habe mich auch auf Google über seine Aktivitäten kundig gemacht. Es war zu lesen, dass er über 40 Standorte des Riesenbärenklau in Lustenau bekämpfte und im Jahre 2023 diese auf sechs Standorte minimierte. Es wurden die Samenstände gekappt und zehn Tage später auf Nachblüten kontrolliert. Es ist eine ständige Kontrolle notwendig und das führt zu sichtbaren Erfolgen.
Horst Huber, unser zweiter Preisträger, lernte Gerhard Vinatzer 2019 kennen und arbeitet mit ihm seit fünf Jahren zusammen. Für den früheren Bundesleiter-Stellvertreter der Alpenvereins-Jugend Österreichs war klar, dass dieses Problem nicht nur Lustenau, sondern das ganze Bundesland und bzw. Österreich betrifft. Damit ergibt sich das Projekt „Bekämpfung und Ausbreitung von Neophyten“ als grosse Herausforderung mit u.a. den Gebietsbetreuern der Natura 2000-Gebiete. Es wurde via Bildungsdirektion die Unterstützung von Schülern gesucht und gefunden und die Schüler in ein Projekt für 2012 bis 2025 eingebunden. Die beiden Neophyten-Fachkräfte starteten ihr Projekt mit Erfassung von Neophyten-Vorkommen mit Festlegung der Bearbeitungszeitpunkte unter Mitwirkung von Schulen ab der 5. Schulstufe. Aus diesem ehrenamtlichen Engagement entstand ein grosses Werk von Informationsdaten, eine beachtliche Teilnahme von Schulklassen mit hunderten von Teilnehmenden in tausenden von Stunden und im Jahre 2025 allein 25 Tonnen gesammelter Neophyten.
Der Lustenauer Neophyten-Pionier Gerhard Vinatzer fand in Horst Huber einen kongenialen Partner, und zusammen haben sie hunderte junger Leute für aktives Umwelthandeln gewonnen. Dafür ein herzliches Dankeschön, was mit dem Umweltschutzpreis 2025 an die beiden Fachkräfte unterstrichen wird.
Der Dritte im Bund der heutigen Preisträger ist Alwin Schönenberger, der „Vogelmensch“, der als Freilandornithologe seit 40 Jahren in den Riedern von Bangs bis zum Rheindelta stets im Dienst der Vogelwelt auf Kontrollgang unterwegs ist. Alwin Schönenberger ist eine fixe Grösse im Vorarlberger Naturschutz, er ist der Repräsentant der klassischen ornithologischen Beobachtungstätigkeit, der wir im Naturschutz so viel verdanken. Alwin Schönenberger ist vernetzt, sei es als Vize-Obmann des Ornithologischen Vereins „die Drossel“ oder als Naturwächter bei BirdLife Vorarlberg, im Naturschutzverein Rheindelta, im Naturschutzbund usw. Schönenberger besticht durch seine Kompetenz, gepaart mit Umgänglichkeit und Sachlichkeit.
Der gelernte Elektriker setzt sich in seiner Freizeit für die Erhaltung der Rieder und für naturnahe Gewässer ein. Unermüdlich ist seine Mitarbeit in NGOs für Exkursionen und Schulungen. Er ist treibende Kraft und nimmt auch am entsprechenden Monitoring teil. Die grösste Fluss-Seeschwalben-Kolonie Österreichs im Rheindelta verdanken wir seinem Wirken mit den regelmässig instandgehaltenen Brutflossen. Der Prophet soll ja im eigenen Land wenig gelten. Das trifft auch für Alwin zu. Er konnte bereits im Jahre 1990 beim Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz in Vaduz für die Landesstelle Vorarlberg der österreichischen Gesellschaft für Ornithologie mit u.a. Rita Kilzer und Vinzenz Blum die Urkunde und 10‘000 Franken abholen. Als Umweltaktivist wurden Alwin persönlich im Jahre 2008 als Person mit dem Binding-Preis ausgezeichnet.
Preise werden als Ansporn und als Anerkennung vergeben. Die heutigen Preisträger brauchen zwar keinen Ansporn. Sie finden diesen in der Natur. Die drei Persönlichkeiten der heutigen Preisverleihung zeichnen sich mit ihrem Herzblut für die Naturbelange aus. Die Zuerkennung der heutigen Preise ist die hoch verdiente Auszeichnung und Würdigung.


Und noch ein letztes Wort zu einer weiteren Person. Es ist dies Rudolf Alge, der Umweltbeauftragte der Marktgemeinde Lustenau. Er geht bald in Pension und hat mich gebeten, diese Laudatio noch in seiner Wirkungszeit zu halten. Rudi Alge hat dieses soeben beschriebene Herzblut für die Mitwelt, ein herzliches Dankeschön für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Natur.
Und an die Marktgemeinde Lustenau richte ich abschliessend noch einen Wunsch. Ich habe von Ihrem Inventar der Kleingewässer Kenntnis genommen. Darin wurde vom Umweltbüro Grabher die stolze Zahl von 119 Amphibien-Laichbiotopen ausserhalb des Siedlungsgebietes dargestellt. Deren Unterhalt ist eine stete Aufgabe.
Mit dem Wasserhaushalt verbunden sind auch die Fliessgewässer. Ein Blick auf eine Karte zeigt, dass sie sehr viele geradlinige Kanäle und Gräben in ihrer Gemeindehoheit haben und der Moosbach mitten im dichten Baugebiet nach der Rheinregulierung als einziges Gewässer mit natürlichem Verlauf übriggeblieben ist. Ich erinnere daran, dass die Natur kaum gerade Linien kennt. Wir haben in der Alpenrheintalsohle fast zu hundert Prozent die Auen mit ihren Gewässern verloren und damit auch die Dynamik im Naturhaushalt. Das ist einer der Gründe des Verlustes der biologischen Vielfalt. Ich rege an, unsere Gewässer – wo immer es eine Möglichkeit gibt – wieder zu beleben. Die Gemeinde hat mit der Wiederbelebung des Lustenauer Kanals (=Neuner) nördlich der L204 bereits Gutes geleistet, weitere Revitalisierungen sollen anstehen. Für das Jahrhundertwerk RHESI am Alpenrhein soll im März beidseitig des Rheins der Startschuss für das Genehmigungsverfahren erfolgen. Mögen diese Vorhaben den Beitrag für unsere Mitwelt leisten wie unsere heutigen Umweltpreisträger.
Natur braucht Platz, der wir ihr weggenommen haben. Es bleibt noch viel zu tun.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Mario F. Broggi