
In den steilen Flanken der Mittagespitze wie auch am Würznerhorn wurde im oberen Bereich dieser Bergspitzen über Jahrhunderte das Wildheuen betrieben. Es handelt sich um Grashalden, die für die Nutztiere zu steil oder unzugänglich waren. An einem Sonntagmorgen im Frühjahr wurde nach der Messe zur Gant aufgerufen. Die Bauern waren auf zusätzliches Heu angewiesen, auch wenn dies mit grossem Mühsal verbunden war.
Alljährlich gegen den Spätsommer oder Herbst zog eine Truppe von Männern los, die steilen Parzellen am Hausberg zu mähen. Beim Bergheuen rechnete man mit einem Zentner Heu pro Tag und Mann, wobei das Produkt als von guter Qualität galt. Der jährlich zu entrichtende Pachtzins betrug anfangs der 1940er-Jahre CHF 5.— für den Bereich der Mittagspitze und reichte an ergiebigeren Orten bis CHF 40.—.
Die Höhenlage an der Mittagspitze betrug 1780 bis 1860 Meter über Meer. Mit den benachbarten Triesnern soll ein Tauschhandel betrieben worden sein, indem auch Hanglagen auf Triesner Hoheit genutzt wurden, und dies sei mit Naturalien entschädigt worden.
Die Wildheuer trugen frühmorgens Verpflegung und Geräte auf dem „Reff“ (Tragegestell) zum Heubett hinauf, und das dauerte viele Stunden. Während der Zeit des Heuens blieb man oben. Dort wurde ein einfaches Nachtlager errichtet. Das Heu liess man rund sechs Wochen auf den „Tristen“, um es gegen Ende Oktober ins Tal zu schaffen. Die Triste ist ein im Freien pyramidenförmig aufgestockter Haufen Heu, der um eine zentrale Holzstange, Tristlatte genannt, gelagert wird. Das Heu wurde zum Abtransport in „Borda“ (Heubündel) gefasst, die ca. 50 kg wogen und auf dem Buckel hinuntergetragen wurden. Weiter unten wurde die Fracht auf Schlitten oder Wagen verladen und heim ins „Tenn“ gebracht. Das mühselige Wildheuen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt.


Neben Sense, Rechen, Dängelhammer, Heuseil und Essgeschirr wurden auch Steigeisen für diese steilen Lagen an den Bergschuhen benötigt. In meiner Sammlung von land- und forstwirtschaftlichen Geräten habe ich auch eine Gemskrucke mit kurzem Stil. Wenn ich nach dem Verwendungszweck dieses Gerätes frage, weiss dies niemand zu deuten. Damit wurden die letzten geschnittenen Halme gesammelt. Ich nehme an, dass man für diese steilsten Lagen auch mit einer Sichel anstelle der Sense gearbeitet hat.
Quelle
Frick, D. (1982): Bergheuen, in: Der Balzner Wald, Gemeinde Balzers, S. 188-197.
Mario F. Broggi, 22.10.2026